Mittwoch, 15. Mai 2019

Der Mond


... und was hat er mit Bernstein zu tun?


Nebenstehend ein Auszug aus dem Tidenkalender (Esbjerg Havn) für den Monat Mai 2019.
Wer Bernsteine suchen möchte, der braucht ihn unbedingt, diesen Tidenkalender; angegeben sind die Hochwasserzeiten (Højvandstider).
Und das provoziert sofort die Frage „Wieso ist am 14. Mai nur eine Flut?“
Weltuntergang? Keine Sorge, natürlich nicht! Und Flut und Ebbe sind völlig normal im Takt, nichts fällt aus, es ist ein relativ regelmäßiges Auf und Ab.

Von Flutspitze zur nächsten Flutspitze sind es ca. 12 Stunden und 25 Minuten. Zur dazwischen liegenden Ebbe also ca. 6 Stunden und rd. 13 Minuten.

Um vier Spitzen (z. B.  Flut Ebbe Flut Ebbe) an einem Tag erleben zu können, braucht es also mehr als 18 Stunden und 39 Minuten. Das sollte doch an jedem 24 Stunden langen Tag gehen, denkt man.
Im Mai 2019 klappt das auch an 27 von 31 Tagen, an 4 Tagen aber nicht so ganz.


Wenn ihr das nachstehende Diagramm (Tiden vom 14. bis 24. Mai; Screenshot von windfinder) unvoreingenommen betrachtet, müssten euch 2 Dinge  auffallen.

Erstens: Die Spitzen wechseln sich ab in ihrer Höhe. Einer höheren Spitze folgt mit relativer Regelmäßigkeit eine niedrigere (oder umgekehrt).

Immer dann, wenn der Mond auf der der Sonne zugewandten Seite der Erde steht, ist die „Zugkraft“ stärker, der Flutberg ist höher. Steht der Mond auf der der Sonne abgewandten Seite der Erde, ist die Kraft schwächer, der Tidenhub ist niedriger.

Die Erde dreht sich einmal in 24 Stunden unter diesen Ereignissen weg.


Die Flutberge sind stark verzerrt dargestellt.
← Befindet sich  Sønderho bei dem hohen Flutberg, ... dann
12 Stunden später bei dem niedrigen. →


Zweitens: Um den 18. Mai herum sind die Spitzen höher (bzw. tiefer), vorher und nachher sind sie niedriger.
Wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen, ist die Zugkraft stark; das ist bei Vollmond (am 18. Mai) und Neumond (3. Juni) der Fall.
← Immer dann, wenn Sonne, Erde und Mond in einer L-Form stehen, ist die Zugkraft schwächer; das ist immer bei Halbmond der Fall (am 12. und 26. Mai).



Doch zurück zu der fehlenden vierten Gezeit an manchen Tagen:
Am 13. Mai war die letzte Spitze (Flut) um 22:26 Uhr, die nächste Spitze (Ebbe) war um 05:24 Uhr des 14. Mai. Ab da zählt dann die Zeit für die folgenden Tiden Flut/Ebbe/Flut, 11:55/17:47/0:14.
Die vierte Gezeit passt nicht mehr in den Tag, es ist schon der 15. Mai.
(Quelle: Gezeiten Fisch)
An der folgenden Grafik kann man sehen, dass die Tagesspanne meistens 4 Gezeiten umfasst, manchmal aber (haarscharf) nicht.


Anmerkung:
Mit den Gezeitentabellen ist das so eine Sache, verschiedene weichen voneinander ab.
Nicht von ungefähr steht auf der Visit-Fanø-Tabelle ... →

Nehmt es also mit der exakten Mathematik also nicht so genau.

Außerdem sind die Gezeiten nicht nur von den Himmelskörpern abhängig, sondern auch von Küstenbeschaffenheit und von Windstärke und Windrichtung.

Wir gehen auf Bernsteinsuche bei ablaufender Flut, ca. 1 bis 2 Stunden nach der Flutspitze.
Und natürlich musste und muss der Wind stimmen. Bei Ostwind sieht es mau aus. Westliche Winde müssen her.
Heute (15.Mai) waren wir einige Stunden im Watt. Aber: Ebbe an der Bernsteinfront😕. Der Wind kam heute vorrangig aus Norden.


Wer sich kundiger machen will über Ebbe und Flut, dem seien die Seiten von timeanddate empfohlen. Das ist der beste Text, der mir begegnete. Verständlich und wissenschaftlich exakt. Zudem mit wunderbaren Visualisierungen.





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